Die Arbeit in Zyklen

11. Mai 2015, Text von Felix Lippmann

Warum ich Maler, nicht Künstler bin

Meine Arbeitsweise an Zyklen resultiert aus der Verarbeitung erlebter Eindrücke, die ich meist in einem temporär abgeschlossenen Aufenthalt in einer bestimmten Umgebung mache. Dabei sind die entstandenen Serien weder in stilistischer Form, noch in inhaltlicher Form kohärent. So erarbeite ich Werkgruppen, die zeitgenössische gesellschaftliche Problematiken thematisch abgeschlossen abarbeiten und gleichzeitig durch ihre Unterschiedlichkeit untereinander auf meine künstlerische „Spielfreiheit“ verweisen. Ich arbeite aus Tatsächlichem und nicht aus Künstlichkeit heraus.

Kein Stil - keine Gewohnheit, keine modischen Bildaccessoires - keine Trendabhängigkeit, keine glatten sauberen Bildberflächen - zerstörte Oberfläche und geschichtestes Material, ein persönlicher Strich - eine persönliche Fläche.

Jeder neue Zyklus profitiert von den Erkenntissen aus dem Vorhergegangenen. Ich musste selber erst lernen, dass ich meine schnelle und rhythmische Arbeitsweise nicht verändern muss um in der Malerei weiter zukommen, sondern die Anzahl der Arbeiten, die parallel oder kurz nacheinander entstehen, steigern muss. Denn erst, wenn ich eine Reihe Arbeiten nebeneinander hängen habe, sehe ich, was ich jeweils daran ändern muss. Sie setzten sich sozusagen zum einen gegenseitig fort, zum anderen erwecken sie auch neue Ideen in mir, die nach Erarbeitung die Reihe ergänzen.

Ich bin durch diese Arbeitsweise auf einen Zustand gekommen, den ich Arbeiten im Affekt nenne. D.h. während ich eine Zeichnung oder eine Bild erarbeite festigt sich schon die Idee für das nächste Bild im Kopf. Diese wird sofort umgesetzt und somit steigere ich mich in eine Art "Flow" der mir eine intensivere und, da im Affekt, ehrlichere Arbeitsweise ermöglicht.
Als ehrlich betrachte ich hier die Direktheit einer Linie oder eines Striches, der ohne gekünstelte Vorüberlegung und ohne den Moment des Zweifelns auf den Bildträger gelangt. Er ist in diesem Moment frei von jeglichem Zitat aus schon Vorhandenem.


Felix Lippmann, 2015